25 Mai, 2018

Hör mal - ich les`dir was vor

Eigentlich bin ich ein totaler Buch-Verfechter. Ich liebe das Lesen und weigere mich einen Ebookreader zu kaufen. Ein Buch erfährt man mit allen Sinnen, man fühlt und riecht es. Die Protagonisten bekommen in meinen Gedanken eine eigene Stimme und eine eigene Gestalt. Besonders schöne, emotionale oder spannende Textstellen kann ich mehrfach lesen oder ihnen in einer Pause nachsinnen. Es gibt mir ein rituelles gutes Gefühl, vor dem Schlafen noch in einem Buch zu lesen, zu merken wie es nach einiger Zeit schwer in meinen Händen wird und die Augen müder werden. Abschalten, umschalten, runterschalten.

Eigentlich dachte ich immer Hörbücher sind nichts für mich.

Aber wann habe ich eigentlich aufgehört zuzuhören? So ganz bewusst und ruhig?
Es fällt mir sogar sehr schwer zuzuhören ohne gleichzeitig einem optischen oder haptischen Reiz nachzugeben. Im Gespräch mit Freunden fummel ich in meinen Haaren, bei einem Meeting kritzle ich auf Unterlagen, bei einem Telefonat mache ich nebenbei die Wäsche.
Und wenn das Mädchen in ihrem nicht enden wollenden Redeschwall von ihren Fantasiewelten erzählt, kann ich schon nach wenigen Minuten intensivem Zuhören nicht mehr folgen, beschäftige dann meine Hände und gebe regelmäßig ein "hmhm" von mir. 

Trotzdem, oder auch gerade deshalb, wollte ich mich jetzt im abonnierten Hören versuchen. Angefangen hat es mit kleinen Podcasts, denen ich beim Arbeiten am PC folgte. Ich kann sehr gut zuhören, wenn ich nebenbei arbeite und ich kann sehr gut arbeiten, wenn ich nebenbei zuhöre. Aber jetzt mal die Hände von der Tastatur nehmen und nur hören... puh schwer.

Anfangs fand ich nur Hören richtig ungewohnt – man muss konzentriert bleiben, damit man alles mitbekommt und irgendwie hat man auf einmal Augen und Hände frei. Wohin damit? Eine kleine Challenge für mich, mich selbst zu fokussieren und einfach mal auf nur eine Sache zu konzentrieren. Mehr als 5 min schaffe ich dann, wenn ich mich ganz entspannt hinlege und meditativ die Augen schließe. Ein bisschen Me-Time ist natürlich nicht das Schlechteste, wenn auch herausfordernd für mich.

Ich habe es schlicht und ergreifend verlernt. Das nur Zuhören. Damals habe ich viele Kassetten verschlungen und dabei wirklich gar nichts gemacht. Ich habe mir vorlesen lassen, ohne dass ich die Bilder in den Büchern dabei ansehen musste. Ich habe Musik gehört, nicht zur Untermalung, sondern einfach des Hörens wegen.

Meistens nutze ich die Hörzeit, um mir anderes angenehmer zu gestalten. Fenster putzen zum Beispiel. Das mache echt ungern. Also wirklich total ekelhaft ungern. Die einzige Motivation ist dann ein toller Podcast oder ein echt spannendes Hörbuch.  

Auch auf langen Autofahrten ist ein Hörbuch super. Ich starte meist mit Musik, aber nach einiger Zeit werden die ewig gleichen Liedtexte anstrengend und ich brauche Entspannung für die Ohren. 

Den größten Verschleiß an vorgesprochenen Zeilen habe ich aber beim Laufen. Vorher habe ich hier auch gerne Musik gehört (oder als ich noch ganz lauffit war nur meinen Atmen - sehr hypnotisierend), aber dabei habe ich mich immer beim gedanklichen oder realen mitsingen erwischt. Das ist zwar lustig, stört aber meinen Rhythmus. Kennt ihr das auch?
Beim reinen zuhören laufe ich fast, ohne es zu merken. Es ist auch eine super Motivation, wenn man sich die Fortsetzung der spannenden Geschichte nur dann erlaubt, wenn man wieder mit Laufschuhen unterwegs ist.



Sehr gut macht sich meiner Meinung nach übrigens auch ein englisches Hörbuch beim Laufen. Ich mag mich irren, aber ich glaube, dass man gerade beim Laufen, wenn man sich sonst mit nichts weiter ablenken kann, ganz besonders gut zuhört und sich besonders gut konzentrieren kann. Sind Neurologen unter euch? Ist es so? Schweigen verstehe ich als Zustimmung.

Die anfängliche Trauer um die fehlenden Sinne, die sonst beim Lesen zum Einsatz kommen dürfen, kann ich gegen einen neuen Gedanken austauschen. Durch die Vertonung des Buchs mit einem guten Sprecher entsteht aus dem Buch ein ganz neues Kunstwerk. Ich sehe die gute Vertonung eines Buchs definitiv als Kunst an. Es ist etwas besonderes, nicht jeder kann einen Text schön rüber bringen. Ich finde es faszinierend, die Unterschiede in Aussprache oder Betonung festzustellen. Staune darüber, wie kompliziert verschachtelte Sätze inklusive zungenbrecherischer Fachwörtern mit Leichtigkeit daher gesagt werden können.

Übrigens lese ich am liebsten Thriller und richtig spannende Schmöker. Zum Zuhören funktionieren die für mich nicht. Da brauche ich etwas Lustiges, eine Biographie oder irgendetwas, dass mir unbewusst Wissen eintrichtert. Ich liebe auch Podcasts, die man zum Beispiel bei audible unbegrenzt hören kann.  Wenn ihr nicht wisst, wo ihr überhaupt zuerst reinhören sollt, dann gibt es für euch hier die aktuelle TopTen von Hörbüchern aus verschiedenen Genren. Bei über zweihunderttausend Hörbüchern kann das entscheiden schon echt schwer fallen.


Nun bin ich doch ein Hörbuchhörer geworden. Manchmal aber dafür bewusst. 
Und das Buch am Abend bleibt mir trotzdem.

Und ihr?
Lieber lesen oder lieber hören?

Lieblingsgrüße!



P.S.:
Eigentlich wollte ich übrigens auf den Waste-Gedanken hinaus, den ich mir aber zugegebenermaßen doch selbst schön reden müsste. "Ich kaufe ja eh nur gebrauchte Bücher und danach landen sie ja auch nicht im Müll sondern werden verliehen..." 
Zerowaste ist zwar sicherlich EIN guter Grund für ein Hörbuchabo, aber in diesem Fall - so ehrlich muss ich mit mir sein - ist es nicht MEIN Grund.

22 Mai, 2018

Darüber spricht man nicht - Nachhaltigkeit bei Tabuthemen

Auf meinem zuckersüßen Mami-Kreativblog gehts um schöne, saubere, gesellschaftstaugliche Dinge. Wir reden über Erziehung, über Nachhaltigkeit und über unsere kreativen Werke.

Heute nicht. Heute sprechen wir über Menstration.
Ein sogenanntes "Tabuthemen" in unserer Gesellschaft. Darüber spricht man nicht. Dabei kennen wir doch alle die roten Tage, den roten Besuch, die Regel, der Erdbeerwochen, die rote Lola, die Monatsblutung. Dieses Thema betrifft geschätzt mindestens 80% meiner Blogleser.
Trotzdem schweigen wir vornehm über alltägliche völlig gewöhnliche Situationen.




Ich finde es traurig, dass wir über manche, so natürliche Themen nur hinter vorgehaltener Hand sprechen dürfen. Dass Frauen stigmatisiert sind, weil mit ihrem Körper höchstnatürliche Dinge geschehen: "Was ist denn mit dir? kriegst du deine Tage?!"

Generell reden wir nicht gerne über Körperfunktionen. Das ist mir klar. Doch gibt es weitaus ekligere Ausscheidungen wie Erbrechen oder Durchfall über die zu Reden nicht tabuisiert wird. Niemand fragt in der Apotheke nach einem Mittel gegen "Straßenpizzaproduktion" oder für die "Schokotage".
Auch Blut ist nicht gleich Blut. Niemand geht zur Blutspende und verkündet anschließend, der Arzt hätte etwas "Erdbeersaft" abgezapft. Blut aus den Adern, ja gern. Blut aus der Vagina, Leute nein!


Mit knappen 13 Jahren bekam ich meine erste Regelblutung. Meine Mutter hat mich vorbereitet, mir Binden (einer unfassbaren untragbaren abnormen Größe) bereit gelegt, mir erzählt was passieren wird, so dass ich im Moment als es passierte nur dachte: Aha, Jetzt also. 


Wann meine Freundinnen ihre Tage bekommen haben, weiß ich nicht. Ob sie auch Bauchschmerzen, Schwindel und Kreislaufbeschwerden hatten, weiß ich nicht. Ob sie ihre Tage stärker oder schwächer habe, sich ihr Bauch aufbläht, es vier, fünf oder sechs Tage dauert oder wie man Blutflecken aus Höschchen entfernt, wusste ich nicht. Selbst im Fernsehen wurde (und wird) die Monatsblutung mit tanzenden Frauen in weißen schwingend Kleidchen auf weißer Bettdecke dargestellt. Die blaue Ersatzflüssigkeit bringt dort weder Krämpfe, noch Launen, noch Heißhungerattacken mit sich. Stattdessen suggerierte die Werbung mir, dass man seine Monatsblutung immer bestmöglich verstecken soll (natürlich mit den angepriesenen Mitteln). 
Am Besten blutet man heimlich.

Auch bei der Monatshygiene kannte ich mich nicht aus. Es gab was der hiesige Drogeriemarkt anbot und günstig war. An einen Erfahrungsaustausch mit Gleichgesinnten kann ich mich nicht erinnern. Bis heute weiß ich nicht, was eine leichte oder eine starke Monatsblutung ausmacht. Da helfen mir auch die 1-Tröpfchen oder 3-Tröpfchen-Angaben auf der Verpackung nicht viel.

An der Kasse hoffte man damals keinem Klassenkameraden über den Weg zu laufen, denn dass Monatshygiene nichts mit Minidildos zu tun hat, ist einem pubertierenden Jungen kaum klar. Heute brauch ich in so einer Situation auch keinen Arbeitskollegen um mich haben, aber es ist nichr mehr vergleichsweise so unangenehm.
Trotzdem: Ein Tampon wird unschön als "Stöpsel" bezeichnet. Sex während der Regel für die meisten Männer, aber auch für viele Frauen undenkbar. Unfassbar peinlich, die Vorstellung, dass die Ersatz-Slipeinlage oder die Tampons beim Brötchenkauf aus der Tasche fallen. Mit hochrotem Kopf werden sie aufgesammelt. Selbiges ist mir einst passiert in einem Hörsaal voller angehender Männer grölender Ingenieure: "Äh.. die? Nee... das sind nicht meine, die lagen da schon..." Ja ne is klar... 
Nun sitze ich im Kreis der schweigenden Bluterinnen, bin auch ich zum Schweigen verdammt?




Ich musste tatsächlich erst mal die 30 Lenze überschreiten, um offener zu werden und zu mir selbst zu stehen. "Hallo ich bin Linda und ich menstruiere."

Vor gut vier Jahren erfuhr ich erstmalig von der Menstruationstasse.
Damals dachte ich noch: "Ein Tasse voll Blut? Aus der Scheide?! Hell no, wie krass ekelig ist das!"
Dabei ist das Menstruationsblut einer gesunden Frau eine saubere Sache. Die regelmäßige Blutung sagt dir, dass du gesund bist und Kinder bekommen kannst. Nichts daran sollte ekelig oder peinlich sein! Heute sehe ich das aus einem ganz anderen Blickwinkel. Durch meine Blogreihe "Grüne Gedanken" bin ich neugieriger auf neue natürliche und nachhaltige Wege.




Und oh ja, die Tasse ist umweltschonend und verhindert Tonnen von Müllbergen aus Intimhygieneprodukten. Zudem spart man mit ihrem Einsatz auch viel Geld, was ja immer ein netter Boni ist. Meine Tasse, die Merula  in der Mermaidversion ist sogar in Deutschland gefertigt. Deshalb ist mein Grünes Label hier richtig und wichtig!

Aber! Leute!
Ich flippe jetzt mal kurz aus:
Die Tasse ist nicht nur nachhaltiger sondern auch funktionell besser als Binden oder Tampons! Mit etwas Übung lässt sie sich leicht einführen und auch wieder herausziehen. Es stört kein Tamponbändchen beim Pipi machen, es klebt keine verrutschte Slipeinlage unangenehm am Oberschenkel. Keine ekelige Geruchsbildung, kein Trockenheitsgefühl. Ach, ihr kennt das Thema ja selbst. Ich kann damit Schwimmen, in die Sauna gehen, Sport treiben und ich spüre tatsächlich nichts! Ich feiere sie!

Zwar bin ich noch ein Tassenneuling, aber ich komme mit der von mir gewählten Variante bereits jetzt sehr gut klar.
Die Verwendung ist anfangs komisch, ein wenig "Trockentraining" empfiehlt sich meiner Meinung nach auf jeden Fall. Irgendwann hat man aber dann raus, wie man am besten steht oder hockt, wie man sich am besten entspannt und wie man das Ding dann im Anschluss wieder los wird.
Der Merula liegt auch eine Bedienungsanleitung bei. Der Begriff klingt zwar echt witzig, aber ich denke eine kleine, hübsch bebilderte Anleitung ist für jemanden wie mich, der seit Jahrzehnten nach den gleichen Damenhygieneartikeln gegriffen hat, doch sehr hilfreich.


Die Tasse kann man im nice anzusehenden Beutel auch überall hin transportieren. So passt sie im Falle eines Falles wie die OBs in die Hand- oder Hosentasche und kann auch auf nichtheimischen Toiletten angewendet werden.
Ich habe mich übrigens für eine große Tasse in mittlerer Härte entschieden.
Bei Frauen mit Kindern, großen, schweren Frauen oder Frauen in einem "gewissen Alter" empfiehlt sich das. Im Gegensatz dazu greifen junge Mädels Jungfrauen und zierliche Frauen eher zu einer kleinen Tasse. Da der Körper sich auch gerne an Neues gewöhnen und anpassen kann, reicht es, wenn die Tendenz stimmt. Anfänglich dachte ich, dass ich mir vielleicht doch eine weichere Tasse zum Testen hätte gönnen sollen. Jetzt passt es doch perfekt.


Bei ganz ganz schwachen Tagen nutze ich übrigens waschbare Slipeinlagen.
Ich sehe euch schon die Stirn kraus ziehen. Aber da braucht man nicht skeptisch sein. Wer von euch haben schon das Blut von Kinderschrammen und angeschlagenen Nasen aus dem Klamotten waschen müssen? Genau so geht es eben auch mit den Slipeinlagen, wobei die Blutmengen hier im Vergleich zu der angedötzten Nase ja eher marginal sind.
Den empörte Ausruf, dass man die Slipeinlagen ja waschen muss und das deshalb gar nicht wirklich nachhaltig ist, kann ich auch abwinken.
Ach Mädels, Wäsche waschen muss ich doch sowieso. Und ob da jetzt vier Stoffstückchen mehr in der Maschine liegen oder nicht, das fällt am Ende des Waschtages doch gar nicht auf.

Hübsch aussehen tun sie auch noch. Für uns Frauen ebenso wichtig, wie die Farbe eines Autos!




So, nun ist zerowaste also auch bei meiner Monatshygiene angekommen.
Ich werfe meine Ob`s sicher noch nicht weg und kaufe vielleicht auch noch welche nach. In der ein oder anderen Situation fühle ich mich damit doch (noch) besser

Abschließend: Ich möchte nicht propagieren, dass wir uns nun beim Bäcker um die Ecke über unsere Zyklen austauschen. Ich halte meine Blutungen auch nicht für so weltbewegend, dass ich sie jedem aufdrängen möchte. Aber ich finde es wichtig, ein Signal zu setzen, dass es normal ist zu bluten, aufgebläht zu sein, Launen zu haben, Pickel zu bekommen.
Es ist normal und es ist wichtig, denn das macht uns (mitunter) zur Frau.

Jetzt bin ich gespannt:
Wer von euch benutzt denn eine Menstruationstasse?
Kanntet ihr die bereits? Könnt ihr in eurem Umfeld offen über das Thema kommunizieren?

Lieblingsgrüße!

__________________________

P.S.:
Wenn es bei dem Zuckermädchen irgendwann so wird sein wird, werde ich das mit ihr zusammen feiern. Mit einer schönen Torte oder einem bombastischen Eisbecher oder einem popcornlastigen Kinobesuch. Da fällt uns dann schon etwas Schönes ein.

Übrigens: In vielen Ländern ist die Monatsblutung etwas sehr Unreines. In Ghana dürfen menstruierende Frauen nicht kochen, in islamischen Ländern während der Tage keine Moschee betreten, anderswo fehlen Mädchen in der Schule, weil sie sich schämen oder es nicht die entsprechenden sanitären Anlagen und Mittel gibt.   

Und noch was:
Alles zum Thema Monatshygiene auf eine nachhaltige und natürliche Weise findet ihr bei Birgit von blumenkinder. Von dort habe ich auch meine Artikel.

17 Mai, 2018

Kleiner Kämpfer - Ja, ich nähe noch!

Zugegeben, das Nähen kommt bei mir momentan kurz.
Sehr kurz.

Hier und da mal eine Kleinigkeit, eine Wimpelkette für das Patenkind, ein Mützchen für das Baby einer Freundin oder eine Kissenhülle aus dem zu klein gewordenen Lieblingspulli für das Mädchen sind so schnell gemacht und so schnell abgegeben, dass die Zeit für Fotos für euch nicht reicht.

Ich finde auch, dass die vielen schönen Kleinigkeiten meinen Blogcontent nicht füllen sollten. So niedlich auch ein kleiner Fühldino ist und so kuschelig eine Kissenhülle auch sein mag, ich habe das sichere Gefühl, dass euch Kreativlinge das in Summe wenig interessiert. Schließlich sind bestimmt 80% von auch selbst ganz aktive Näherinnen und zaubern jeden Tag an der Maschine.

Die meisten Aufträge sage ich von vornherein ab. Wenn mich die Nählust packt, nähe am liebsten für das Mädchen oder mich. Meine freie Zeit möchte ich anders verbringen, an der frischen Luft, mit Sport, mit Freunden... nicht allein in meiner kleinen Nähkammer.

Größere Projekte, wie Sweatjacken, Pullover oder Parkas kommen mir nur selten dazwischen. Dabei sind das die Projekte, die mir wirklich Spaß machen. Nähwerke, die mehrere Tage in Anspruch nehmen, gerne mit Reißverschlüssen, Aufnähern, Abnähern, Kragen, Kapuze und Hemdenärmeln.
I love it! Je anspruchsvoller das Projekt, umso mehr wächst der Stolz mit jedem Schnittteil. Und umso mehr Spaß macht es, die tollen Teile zu tragen.
Aber ich brauche auch keine vierte Jacke, kein achtes Hemd und auch keinen zwölften Hoodie. Nähen, nur um Bloggen zu können steht mir nicht. Das passt auch gar nicht zu einem nachhaltigen Gedanken, oder wie seht ihr das?




Dennoch habe ich mich kürzlich doch wieder für einen Nachmittag an meine Maschinen gesetzt. Der Grund dafür war der Wunsch einer Freundin. Ein Set zur Geburt - kein Problem, das mache ich ja öfter! Das Besondere an diesem Set ist aber der kleine Junge, der es bald tragen darf.
Natürlich: Alle Babys und Kinder dieser Welt sind etwas Besonderes. Etwas Unfassbares. Ein Glücksgefühl, dass Mensch geworden ist und uns zu Eltern macht.


Der kleine Joris ist zudem ein echter Kämpfer!
Kaum abwarten konnte er es und kam viel zu früh auf unsere Welt. In der Woche 24+6 stand seine Entscheidung schon fest. Leute, hier komme ich! Mit einem Startgewicht von 790g war das eine sehr mutige Entscheidung. Seine Chancen standen naütrlich nicht bei 100%.
Aber er hat vom ersten Moment an eifrig an Gewicht und damit auch an Kraft zugelegt.

Als mir meine Freundin von dem kleinen Kämpfer erzählte, konnte ich direkt fühlen, wie sehr sie emotional bei dem Neugeborenen und einen Eltern war. Ich selbst befand mich bei dem Telefonat mit meiner Freundin irgendwo zwischen Freudestränchen und Bestürzung. Und da die Mama von Joris auch eine Bunteknete-Leserin ist (Liebe Grüße an dieser Stelle), war es mir eine besondere Ehre an dem Geschenk zur Geburt mitwirken zu können.

Es gab übrigens ein winzig kleines Set aus Shirt und Hose. Mit passender Applikation zum Familienhobby. Dazu ein Hase (der ist gekauft) mit Hoodie, der noch eine eigene sehr schöne Geschichte zwischen Schenkenden und Beschenkten mit bringt.
Im Grunde nichts besonderes. Etwas, dass ich hier mal zwischendurch fertig stelle. Aber irgendwie fand ich heute den Anlass passend, euch davon zu erzählen.


Lieblingsgrüße!

___________________________________
Joris ist jetzt bereits 19 Wochen auf der Welt und hat damit auch seinen offiziellen Geburtstermin (Ende April) überschritten. Er macht sich ganz prima.Wir freuen uns mit den Eltern! <3




08 Mai, 2018

Erzieht uns die Schule zu Helikoptereltern? Wir weigern uns.

Ihr erinnert euch alle an eure Kindheit. An die Freiheit, die Unbeschwertheit und die Sorgenlosigkeit. An die Zeit als die Straße und die Nachbarschaft noch zu eurem Garten zählten. Als ihr mit dem Rad zu Freunden fuhrt, mit der einzigen Auflage zum Abendessen wieder zurück zu sein.
Wir hatten keine Sorgen, nur ganz viel Zeit in der frischen Luft, in der wir Frösche fingen, Käfer sammelten, Sand und Steine auf ihren Geschmack prüften und auf Bäume kletterten.

Im Kindergarten bekam ich morgens neben dem kleinen Rucksack auch den kleinen Bruder an die Hand. Das kurze Stück zum Kindergarten gingen wir völlig selbstverständlich allein.
Auch den Schulweg kannte ich lange vor dem ersten Schultag. Meine Schultasche hat meine Mama nie gepackt und meine Schulsachen waren auch nicht thematisch nach Farben sortiert und mit Symbolen gekennzeichnet. Und nein, keiner meiner Stifte hatte ein Namensetikett. Abgesehen von dem neuen tollen Füller, auf den ich so wahnsinnig stolz war, dass ich selbst (!) meinen Namen darauf geschrieben habe.


Heute sind wir gerade beim Thema Schule so wenig gelassen, wie nie zuvor. Wir zwängen uns in Regeln und Vorschriften und gehen jeden Weg, um unsere Kinder schon in der Krippe auf das Einser-Abitur vorzubereiten.
Da  sind die Eltern, die am Schultor noch mal die Tasche überprüfen und notfalls den vergessenen Turnbeutel direkt zur Sporthalle bringen.
Da gibt es Eltern, die mit den Kindern auf Klassenfahrt wollen, um zu sehen was die Kids da so alleine machen.
Da sind die Väter, die ihre Kleinen von Logopäde zu Therapeut schleppen, weil die Aussprache nicht ganz und gar hunderprozentig ist (übrigens lisple ich selbst ganz leicht und das seit ich denken kann).
Selbst beim Spielen, gibt es die Eltern, die dem Kind mit der Hand am Kinderpopo auf dem Klettergerüst nachklettern.
Die Mutter, die mit den Kleinen im Sandkasten hockt und nacheinander verschiedene Sandförmchen zum Spiel anbietet. Und natürlich wird nur im runderherum eingezäunten Garten, unter ständiger Aufsicht und stetiger Verfügbarkeit von Saft, Snacks, Sonnenmilch und Insektenspray gespielt.


you can do it


Nun grenzt es fast an Fanatismus, wenn ich die Schule für diesen Zustand zur Verantwortung ziehen will, das gebe ich zu. Denn gerade im Gespräch mit Lehrern und Erziehung kommt das Thema „Helikoptereltern“ immer wieder zur Sprache und immer wieder sind die pädagogischen Kräfte fürchterlich entsetzt. Sicherlich setzt die Helikoptertätigkeit der meisten Eltern auch bereits vor der Schulzeit ein. Dennoch glaube ich, dass die Schule mich in meiner sonstigen Gelassenheit beim Thema Erziehung ausbremst.
 

Ihr müsst wissen, dass es in unserer Region so gehalten wird, dass die Kinder bis einschließlich zur zweiten Klasse von den Eltern zur Schule gebracht werden. Natürlich müssen sie dann auch abgeholt werden. Prima, sagen da die meisten meiner Miteltern, da bin ich sicher, dass sich mein Sprößling auch nicht mit dem kleinen Zeh ohne mich außerhalb des Schulgeländes aufhält. Was da alles passieren könnte! Mit in die Schule dürfen die Eltern dann aber nicht. Tasche abstellen, Jacke ausziehen. Das müssen die Kleinen alleine schaffen. Für viele Eltern ein ganz schön großer Schritt und vermutlich schon guter ein Kompromiss zwischen Helikopter und Selbstständigkeit, den die Schule zu finden versucht.
So chauffieren wir alle unsere Kinder im Helikoptertaxi bis zur Schultür, aus Angst vor dem was in unseren Köpfen ist und lösen damit zu Schulbeginn und zu Schulschluss das allergrößte Verkehrschaos aus. Auch ich chauffierte im elterlichen Taxi mitten ins Verkehrschaos.

Des weiteren gibt es Richtlinien nach denen die Schultasche des Kindes gepackt werden sollte. Diese Richtlinien konnten wir bei einem Treffen mit allen Erstklässler-Eltern lernen. Dort packten wir die Taschen erstmalig für unser Kind, beschrifteten gemeinsam die mit Farben und Symbolen gekennzeichneten Schnellhefter korrekt rechts oben, beklebten jeden Bunt- und Bleistift mit einem Namensettiket und hatten anschließend noch Zeit für allgemeine Sorgenbesprechung: Wie ist das mit den Bienen und Wespen, wenn die Kinder draußen sind? Was ist wenn es regnet? Um das Schulgelände ist ja kein Zaun, wo stehen denn überall Wachposten? Mein Kind kann die Jacke noch nicht allein anziehen, gibt es einen Beauftragten, der hier hilft?
Nach diesem "Event" frage ich mich, ob ich mir nicht zu wenig Sorgen mache. Ich behaupte von mir selbst eher der Gattung Rabenmutter anzugehören. Aber unbewusst werde ich von den umgebenden Helikoptern, von Schulrichtlinien und von meinem eigenen akut einsetzenden Gewissen in eine Daueraufpasserrolle gedrängt. Also überprüfe ich am Nachmittag die Schultasche auf eventuelle Hinweise bezüglich des vergangenen Tagesgeschehen, räume sie danach wieder korrekt ein und bereite am morgen ein gesundes, vitaminreiches Frühstück vor, dass ich selbstverständlich selbst in die Tasche packe. Außerdem checke ich den Stundenplan: Ist morgen Sportunterricht? Brauchen wir den Turnbeutel?
Und wenn das Mädchen am Nachmittag noch einen Buntstift aus dem Etui braucht, weil sie noch ein Bild malen möchte rufe ich empört: Nein! Nicht! Ich hab die gerade gepackt.

Stop! So geht es nicht weiter


Aber warum fühle ich mich damit so unzufrieden? Und warum fühlt sich auch das Mädchen nicht wirklich ernstgenommen? Nach wenigen Wochen werfen wir die so gut gemeinte Motivation alles richtig zu machen über Bord. Ich gebe meine Verantwortung ab.

Sie schmiert sich am Morgen ihr Schulbrot allein oder packt sich einen Apfel ein, sie weiß besser, was sie mag und wie groß ihr Hunger ist. Manchmal ist es zu wenig, manchmal ist es zu viel.
Und bleibt der Turnbeutel am Morgen zu Hause liegen, dann bleibt er da liegen und sie denkt beim nächsten Mal daran. Auch wenn der rote Buntstift verloren geht, dann ist er verloren, taucht vielleicht wieder auf, vielleicht auch nicht (da helfen auch keine Namensetiketten auf jedem Stift). Scheitern gehört zum Leben und es auf eine so sanfte Art zu lernen ist doch das Beste, was ich ihr antun kann. Ich packe nicht am Vorabend ihre Schultasche, auch dann nicht wenn sie an einigen Tagen vorwurfsvoll behaupet, ich hätte vergessen ihr Etui einzupacken. Bei derunder Freundin ist immer alles in der Tasche und bei mir fehlt ganz oft was.
Naja, Mäuschen, du bist jetzt in der ersten Klasse. Du hast noch gute 12 Jahre Zeit, zu lernen, deine Tasche richtig toll zu packen.
Ich gehe übrigens auch nicht mehr auf Elternabende. Mir reichen die zahllosen Flyer und Infozettel.

Für die helikopterafinen Mamis und Papis klingt das jetzt vielleicht nachlässig, vielleicht sogar ignorant. Aber macht euch keine Sorgen, ich sehe es ganz selbstverständlich als meine Aufgabe an, ihr zu zeigen, wie es geht und sie sanft auf den meiner Meinung nach richtigen Weg zu stoßen. Aber den Weg selbst muss sie schon alleine gehen. Sie darf sich jeder Zeit zu mir umdrehen, ich stehe am Anfang des Weges und nicke ermutigend. Und sie darf auch jeder Zeit ein paar Schritte zurück gehen: "Mama, guck mal bitte, ob ich meine Schultasche so richtig gepackt habe."
Ich denke, ich fördere sie viel besser, wenn sie sich für ihren Weg entscheidet, ohne dass ich ihr popopudernd den größtmöglichen Input biete.


strong girl

Schon nach den ersten Schulwochen, fragte sie, warum sie denn nicht allein zur Schule fahren darf. Sie kennt den Weg seit Kitazeiten, denn die Schule liegt direkt neben Kita und Kindergarten.
"Das geht noch nicht Mäuschen."
"Aber warum nicht, Mama. Ich kenn doch den Weg."
"Die Schule möchte aber nicht, dass die kleineren Kinder schon alleine fahren."
"Aber woher weiß die Schule denn, ob ich das kann oder nicht?"

Tja... woher... keine Ahnung.
Im eigenen Kompromiss mit den Schulrichtlinen haben wir uns anfangs gut 20m vor der Schule verabschiedet, den Rest des Weges schaffte sie problemlos allein. Mit jedem weiteren Meter, den sie alleine fahren durfte, wuchs ihr Stolz und mein von schulwegen unterdrücktes Vertrauen.

Heute, und jetzt kommen wir endlich zum Grund und Aufhänger für diesen Blogbeitrag, mit dem ich mir meine Gedanken von der Seele geschrieben habe, heute ist sie zum ersten Mal ganz allein zur Schule gefahren.
Nachher kommt sie zurück und ich bin so gespannt, was sie zu erzählen hat.


Lieblingsgrüße!

03 Mai, 2018

Ich würde ja gern nachhaltiger leben, aber... - Dein gratis Starterkit für grüne Gedanken

Letzte Woche hab ich mal auf den Putz gehauen, weil ich mich über die ein oder andere "Ganz oder Gar Nicht"- Nachricht geärgert habe. Im Anschluss erreichten mich (neben vielen lieben Kommentaren und aufbauenden Worten - Danke!!!) einige vorsichtige Nachrichten, die betonten, dass sie wirklich gerne mehr für die Umwelt machen würden, aber gar nicht so recht wissen, wo man anfangen soll. Und da ich gelesen habe, dass viele von euch mit uns mitmachen und sich hier und da auch in less waste ausprobieren - großartig! - gibt es jetzt noch mal ein kleines Startpaket für alle die auch etwas bewusster leben wollen, aber noch nicht wissen wie, denn

Denn Nachhaltigkeit ist teuer und aufwendig!
Es ist sehr anstrengend und im Biomarkt bekomme ich uns mit meinem wöchentlichen Budget für Nahrungsmitteln nicht satt!




Für mich ein erstmal absolut verständlicher Einwand.
Dass Nachhaltigkeit teuer sein könnte, ist beim Gedanken an die demeter-, bio-, fair- Labels nicht unwahrscheinlich. Dann braucht man noch spezielle Metalldosen für das Lunch, jede Menge Weckgläser für die Vorratshaltung, besondere Deos, Zahnbürsten, Cremes...
Noch besser ist, man macht das alles selber, baut Tomaten an, um daraus seine eigene Ketchupsorte zu kochen, schabt das Bienenwachs direkt beim Imker von den Waben, um daraus eine Lippenpflege zu kreieren.

Als "Neuling" möchte man völlig überfordert den Rückzug antreten.
Aber Nachhaltigkeit funktioniert nicht mit einem An/Aus-Schalter. Du musst dir also nicht von jetzt auf gleich das Versprechen abgeben: Ab heute mach ich zerowaste! Das mach ich ja auch gar nicht, wie mein letzter Grüner Beitrag dir verraten hat.

Nachhaltigkeit ist ein Prozess, der sich nach und nach weiter entwickeln kann.
Ein Weg, der schon bei ganz kleinen Schritten anfängt.
Ich war noch vor einigen Monaten fest davon überzeugt, dass ich meine Grünen Gedanken zwar ausweiten und teilen möchte, sie wachsen lassen will und selbst daran wachsen will, aber nienieniemals meine Zähne mit einer Bambuszahnbürste putzen würde.
Viel zu sicher war ich mir, dass nur meine elektrische Zahnbürste und die spezial super whitening Zahnreme meine Zahnreinigung vollenden können.
Und ratet mal, was bei mir jetzt im Badezimmer steht? Ja genau. Eine Bambuszahnbürste nebst selbstgemachter Zahncreme.





Für den Anfang habe ich euch ein paar kleine Schritte zusammengefasst, die ihr nach und nach angehen könnt. Vielleicht probiert ihr erstmal einen Step pro Woche. Oder sogar einen pro Monat! Umstellung ist schwer, auch für mich nach einem halben Jahr noch.

Ändere dein Konsumverhalten
Ebenso einfach wie anfangs unmöglich. Denk einfach noch einmal darüber nach, ob du eine achte blaue Jeans brauchst, wo du die tolle knallige Lampe überhaupt hinstellen willst oder ob das bunte Dekotöpfchen überhaupt notwendig ist.
Ich wurde kürzlich aus Gewohnheit schwach, als ich supertolle Einhornglitzerunnütz-Lipbalms fand. "Oaaah, guck mal wie schön!" Noch während meine Hände versuchten den Lippenpflegestift zu erreichen, griff der Lieblingslehrer ein: "Du hast doch gerade Lippenpflege selbst gemacht!"
Dieses das-ist-schön-das-will-ich-weil-das-macht-mich-glücklich Gefühl sitzt tief und man muss es sich bewusst machen.

Verzichte auf Verpackungen
Bei Obst und Gemüse ist das eigentlich einfach. Hier muss man nur den gewohnten Griff zum hübschen Apfel-Sechserpack ändern. Nimm stattdessen die losen Nahrungsmittel. Drei Tomaten, 2 Birnen, 1 Apfel, 8 Kartoffeln. Es gibt spezielle Netzbeutel* für den losen Einkauf, die auch noch echt hübsch sind. Ich lege die Waren bislang immer lose auf das Band.
Schau auch genauer in die Regale und suche nach besseren Verpackungen, zum Beispiel aus Glas oder Papier.  Oder checke die ethnischen Läden in deiner Umgebung ab, oft gibt es hier auch noch mehr lose Ware. Plastiktüten bleiben natürlich grundsätzlich im Laden. Nach dem bring your own bag - Prinzip hast du einen Korb, Beutel oder Rucksack dabei.
Uns macht der Einkauf so übrigens sogar richtig Spaß!




Mach dir nen Plan!
Wir Deutschen werfen 313kg Nahrungsmittel weg. Pro Sekunde!
(interessanter Prime Film dazu: Taste the Waste)
Meist handelt es sich schlicht um Überproduktion, weil wir auch um 18 Uhr noch ein volles Brotregal sehen wollen. Häufig aber auch Abgelaufenes oder Verdorbenes, dass wir aus Zeitmangel und Überangebot nicht verzehren konnten. Oft haben wir nicht mal wirklichen eine grobe Idee von dem Vorrat, den wir zu Hause habe und kaufen noch eine dritte Packung Kartoffeln, während die ersten zwei Packungen bereits keimen.
Wir haben einen Einkaufszettel-Abroller direkt neben dem Kühlschrank. Dort notieren wir alles, was wir aufgebraucht haben. Vor dem Einkaufen überlegen wir gemeinsam, ob wir auf ein spezielles Gericht "Lust" haben, oder einen besonderen Kuchen backen wollen und notieren die notwendigen Zutaten ebenfalls. Dann kaufen wir auch nur das, was uns fehlt. Alles was dann nicht da ist, ist eben nicht da und kann für die nächste Woche auf den Einkaufszettel geschrieben werden.
Den Einkauf wirklich nur einmal wöchentlich zu zelebrieren spart nicht nur Spritkosten, Zeit und Nerven. Es ist auch gleich viel ökologischer, das Auto nur einmal zum Supermarkt zu bewegen. 

Use what you have 
Dies ist zugegebenermaßen eine Eigenart, die ich mir in einer Zeit angewöhnt habe, in der meine finanziellen Mittel rar waren. Bevor ich neue Nahrungsmittel kaufe, brauche ich zuerst alles auf. Wenn da noch Blumenkohl in der Gefriertruhe schlummert, brauche ich keinen Brokkoli kaufen. Wenn ich noch Kartoffeln habe, brauche ich keine Nudeln kaufen. Genau so kaufe ich kein Spülmittel/Creme/Sonstiges, so lange noch Reste des selbigen in zig verschiedenen Packungen schlummert.





Stell das Wasser ab!
Dass das Wasser beim Zähneputzen nicht laufen sollte, brauche ich nicht mehr erwähnen, oder? Wer das noch macht, dem gehört auf die Finger gehauen!
Aber du kannst überall Wasser sparen: Pack die Spülmaschine und die Waschmaschine richtig voll, bevor du sie anstellst. Nutze das Regenwasser zum Blumengießen. Dusche dich nur kurz und vielleicht auch nur jeden zweiten Tag. Gerade beim Thema Duschen haben wir im vergangenen Jahr sehr viel Wasser gespart. (lies hier von meiner Duschroutine)
Aus dem Duschkopf prasseln ca. 20l Wasser pro Minute, da kann man sich doch nicht ruhigen Gewissens täglich 20min unter die Dusche stellen.

Mach das Licht aus!
Nein, im Dunkel sitzen musst du natürlich nicht. Aber schau dich doch mal in deiner Wohnung um. Wieviele Geräte hängen gerade am Stromnetz. Der Laptop? Der Kühlschrank? Die Mikrowelle? Die Kaffeemaschine? Der Fernseher? Das Radio? Der Radiowecker?
Zieh einfach mal aus der Steckdose heraus (oder behilf dir mir einer Schalter-Steckdose), was du gerade nicht brauchst. Koche für dein Teewasser nur genau so viel, wie du benötigst. Schließe den Topf mit einem Deckel, wenn du das Essen zubereitest. Mache das Licht aus, in Räumen in denen du dich nicht befindest. Lies ein Buch, anstatt dich von einer öden Sendung im Fernsehen berieseln zu lassen. Lass deine Wäsche lufttrocknen, anstatt einen Trockner zu verwenden



Habt ihr was bemerkt? Alle Tipss sind kostenfrei und nur minimal aufwendig. Es sind Kleinigkeiten, aber doch kann man nicht alles auf einmal umsetzen. Deshalb fangt einfach mal mit einer Sache an.
Es ist noch nichts für euch dabei? Was kann man sonst noch machen:
  • Geh auf einen Wochenmarkt und nimm dir ein paar Stoffbeutel mit
  • Benutze keine Küchenrolle mehr. Ein Putzlappen in der Spüle ist genau so gut
  • Kaufe deine trockenen Lebensmittel (Nudeln, Getreide, etc.) in Größeren Gebinden auf Vorrat. Das reduziert dasVerpackung-zu-Lebensmittel-Verhältnis 
  • Repariere defekte Dinge, anstatt sie direkt zu entsorgen
  • bestelle die Werbung ab, die täglich in deinem Briefkasten landet
  • Kaufe und verkaufe second Hand. Alles was schon da ist und den Besitzer wechselt, muss nicht neu produziert werden. Verschenken geht übrigens auch und ist noch viel unaufwendiger 
  • Bestelle deinen Eistee im Café mit den Worten: Für mich bitte keinen Strohhalm, danke.
  • Verwende feste Seife, statt Duschgel, Duschpeeling, Handwaschseife und Co.
  • Besorg dir einen hübschen Coffee-To-Go-Becher und trage ihn immer bei dir. 
  • Koche dir deine Mahlzeiten für die Arbeit vor. Mealprepping ist heute so cool wie nie und im Netz findest du viele tolle Rezepte. Durch die Vorbereitung mit einer größeren Menge an Zutaten sparst du Energie, Kosten und Zeit
  • Versuche dich an einem einfach Rezept. Zum Beispiel für Waschmittel, Handcreme oder Bodyscrub
  • Stelle dir deine Biomüllbeutel aus alter Zeitung her, anstatt Plastiktüten zu verwenden
  • Schneide dir Abschminkpads aus einem alten Handtuch zu, anstatt Wattepads zu kaufen
  • Sprich darüber, was du für deinen grünen Fußabdruck tust, entweder in den Social medias oder mit Freunden und inspiriere andere. 




Und? Was davon würdest du mal für dich ausprobieren?
Die Schritte, die wir gehen sind klein und einfach, aber wirksam.


Macht doch mit!
Lieblingsgrüße!


20 April, 2018

ist doch gar nicht zero! - grüne Gedanken beim Perfektionismus

Je tiefer ich in die Zerowastematerie eindringe, um so lauter werden unsinnigerweise empörte Gegenstimmen:
Wie kannst du behaupten, du würdest nachhaltig leben, wenn du doch verpacktes Fleisch kaufst und dein Nudelvorrat aus einer Packung mit Plastikfenster stammt?! 
Du bist lebst wohl kaum den Zerowaste-Lifestyle, nur weil du hier einen auf Bambuszahnbürste machst, aber dein Klopapier immer noch zig-fach gebleicht und in Plastik verpackt ist.



Nein, ich werde realistisch niemals eine Zerowasterin.
  • Ich weiß keinen Unverpacktladen in meiner Nähe und kann einige Lebensmittel einfach nicht ohne Verpackung kaufen. So oft wie möglich greife ich auf Glas oder Papier zurück, aber auch hier sind realistisch gesehen irgendwann die Grenzen erreicht.
  • Ich bin nicht reich und brauche meine Ersparnisse für Notfälle (Heizung kaputt, Waschmaschine kaputt, Auto kaputt). Für ein kleines Stück Fleisch den vierfachen Preis zu zahlen, oder Kartoffel für 4€ pro Kilo zu kaufen kann ich mir nicht dauerhaft leisten
  • Zum Nähen, Basteln, Selberherstellen kann ich mich oft und gerne bewegen und habe viel Spaß dabei. Doch mit Fulltimejob, Zuckermädchen und großem Sportinteresse muss ich bei meiner Freizeit Abstriche machen, wenn ich ein Produkt selbst herstelle. Mädels, ich hab heute keine Zeit für euch, weil ich meine Milch noch herstellen muss!  Das geht, aber das geht für mich sicher nicht immer.
  • Ich habe meine Grenzen, wie zum Beispiel das oben erwähnte Klopapier, Verhütungsmethoden, Medikamente und andere Dinge, die für mich nicht mit Wohlgefühl im Zerowastestyle umzusetzen sind.
  • Beim Anblick der mit Müll eines ganzes Jahres gefüllten Schraubgläser, die manch eine der Zerowasteikonen (zu Recht) stolz präsentiert, wird mir ganz komisch im Magen. Mit meiner gefüllten Restmülltonne fühle ich mich fast unwertig.

Also ist mein Projekt gescheitert?
Nein. Sicher nicht.  

Ich bin zwar von Zero waste weit entfernt, und  halte dieses Ziel realistisch betrachtet für utopisch, aber less waste macht ebenfalls einen großen Unterschied! 

Ich habe mein Haushaltsmüllaufkommen drastisch reudziert. Kann einige Produkte mit unverpackten, umweltschonenden Mitteln selbst herstellen. Habe ohne viel Geld dafür auszugeben Abschminkpads, Backpapier, Frischhaltefolie, Schwammtücher und andere Artikel zu hundert Prozent ersetzt. Und vielleicht hab ich sogar zwei bis drei von euch in ein oder zwei Situationen zum Umdenken animiert.
Stellt euch mal vor, das würden alle so machen. Das hätte einen gewaltigen Impact.

Ich betone es immer wieder und sage es auch heute gerne noch einmal.
Zerowaste ist ein Prozess, kein On/Off-Schalter.
Bei mir begann es mit Q-Tipps und Wattepads und nach und nach grabe ich mich weiter in die Materie vor, finde neue Ideen für mehr Nachhaltigkeit und entscheide selber, was für mich in meinem Leben umsetzbar ist.

Vielleicht sollten wir den Anspruch an "die Anderen" etwas tiefer schrauben und dafür selbst den ersten Schritt wagen? Vielleicht sollten wir insgesamt den Anspruch an uns nicht ganz so hoch hängen und dafür mehr Leute erreichen?


Lieblingsgrüße!

12 April, 2018

Pefekt für Kinderhände - Wir verraten euch unser Brotrezept

Ich bin unschlüssig, in welche Kategorie dieser Beitrag fällt.
Einerseits ist es lecker und selbstgemacht, andererseits sind es doch auch grüne Gedanken, wenn wir unser Brot nicht mehr in Plastiktüte beim Discounter kaufen (das Zuckermädchen liebt nämlich Toastbrot... ungetoastet... ihr erinnert euch an unseren Toaster?).

Auf jeden Fall ist es ein absolutes Geheimrezept, perfekt für Kinder und Anfänger, aber doch auch wieder so einfach, dass es die Titulierung "Rezept" gar nicht wirklich verdient.

Ihr merkt, ich rede um den heißen Brei herum und es erweckt den Anschein, als würden wir das geheime Brotrezept gar nicht mit euch teilen wollen.
Aber so ist es natürlich nicht. Also frisch rein ins Geschehen:




Wir backen unser Brot seit einigen Monaten selber. Zuvor gab es hier beim Wocheneinkauf regelmäßig eine (Plastik-)packung günstiges Toastbrot - Vollkornvariante immerhin - aber hey, wir wollen da lieber nicht die Zutatenliste recherchieren, oder? Ich selbst bin kein großer Brotfan. Ich mag es lediglich ultrafrisch und noch zungenverbrennungswarm aus dem Backofen. Für mich gab es alle paar Wochen eine (Plastik-)packung Eiweißbrot. Nur für den Fall, dass ich mal Laust auf ein Avocado-mit-Ei-Brot habe.

Unser Brotverbrauch war also weder besonders kostenintensiv, noch extrem plastikintensiv. Neben der Einsparung von Plastik, war es bei uns insbesondere der Wunsch zusammen in der Küche zu experimentieren. Und so probierten und testeten wir, bis wir unser eigenes und super einfaches kindertaugliches Brotrezept parat hatten.


Ihr braucht: 
200g Vollkornmehl
250g Dinkelmehl
ca. 400ml lauwarmes Wasser
1 EL Honig
1 Pck. Hefe
1 TL Salz


Die Vorgehensweise ist easy. Jeder der schon einmal Brot gebacken hat, wird abwinken und denken: pff... kenn ich schon. Aber gerade das ist ja so schön! Es ist so einfach, dass selbst das Zuckermädchen die Vorgehensweise nach ein paar Broten im Blut hat.

Zuerst mischen wir die Hefe mit Honig und ca. 200ml Wasser in einer Schüssel. Das Wasser darf wirklich nur laumwarm sein. Auf keinen Fall heiß. denn das zerstört die Hefe. Statt Honig könnt ihr  Zucker verwenden, Alternativen, wie Birkenzucker (Xylit) funktionieren aber nicht.
Die Hefe darf nun mindestens 30min an einem warmen Ort ruhen und schäumt dabei auf.


Nun werden Mehl und Salz in einer zweiten Schüssel gemischt. Die Hefemischung wird hinzugegeben. Das restliche Wasser wird erst in die jetzt leere Hefeschüssel gefüllt, einmal geschwenkt und dann zur Mehlmischung gegeben.
Jetzt heißt es kneten, kneten, kneten. Mit der Maschine oder mit den Händen, bis der Teig rund und fest wird.
Der Teig darf anschließend noch einmal mindestens 60min an einem warmen Ort ruhen und geht dabei richtig schön auf.



Nun nur noch einmal durchkneten und in eine (gerne mit Butter oder Öl ausgepinselte) Backform geben. Jetzt noch einmal mindestens 30min ruhen lassen und dann bei 200° Umluft 20 - 30min backen, bis die Kruste goldbraun geworden ist.

Das Beste an dem Rezept: Die Mehlsorten könnt ihr austauschen und mischen, wie ihr mögt. Weizenmehl, Dinkelmehl, Mandelmehl... ganz egal. Ich ersetze auch keine einen Teil des Mehls duch gemahlene Nüsse oder zarte Haferflocken oder mische den Mandeltrester unter, der von meiner Mandelmilch übrig bleibt. Man könnte auch Samen, Kerne oder gehackte Nüsse untermengen, wenn man kein Zuckermädchen zufrieden stellen müsste.
Aber auch ohne besondere Zutaten ist das Brot super lecker und schmeckt lange frisch. Ich schneide für uns übrigens immer direkt die Hälfte des Brots in Scheiben und friere es ein.


Wir wollen als nächstes das Wasser durch Milch ersetzen, etwas mehr Zucker beimengen und dann Rosinen dazu geben (Bäckersleut` unter euch? Funktioniert das wohl?)


Viel Spaß beim Nachmachen.

Lieblingsgrüße!